“Moving Forward with Music Therapy – Inspiring the Next Generation”

Ein Bericht zum 15. Weltkongress Musiktherapie 2017 in Japan von Prof. Dr. Eckhard Weymann

Konichi wa – die freundliche Sprachmelodie der japanischen Begrüßungsformel behält man lange im Ohr. Sie klingt oft so anders als unsere coolen „Hi“, „Ciao“, Hallo-Laute. Hier wird fast gesungen, auch mit mehreren, im Sprechchor. Mit Verbeugungen.

Der Weltkongress wandert alle drei Jahre über die Kontinente. Diesmal fand er vom 4.-8. Juli in Tsukuba statt, einer Technologie-Stadt, nördlich von Tokyo. Etwa 2800 Teilnehmende aus 49 Ländern hatten sich versammelt. Und fast alle, so konnte es scheinen, waren mit einer Präsentation, einem Poster, oder einer Gesprächsrunde am Programm beteiligt.

Jeder Tag begann mit einer gemeinsamen Spotlight-Session, bei der zu einem wichtigen Thema 4-5 ExpertInnen Kurzvorträge hielten und anschließend mit dem Publikum diskutierten. Die Themen, die die musiktherapeutische Welt in diesem Jahr besonders beleuchten wollte, können stellvertretend für die aktuellen Trends in der Community stehen: „Music Therapy and Well Being of Older Adults“; „Music Therapy and Trauma Work“; „Research of Music Therapy – Evidence and Story“ (Über die Vielfalt in der Forschung, die Verbindung von Forschung und Praxis, über Machtverhältnisse in und durch Forschung) und schließlich „Music in Therapy and Cultural Context“ (Kultur als soziale Praxis verstanden, in der Musiktherapie unterschiedliche Bedeutungen erhält).

Und was hatte der Physik-Nobelpreisträger und gute Geist dieses Kongresszentrums, Leo Esaki, zu Anfang gesagt? Man soll seinen Lehrern nicht alles glauben. In dieser wohlwollend-kritischen Haltung begann der Kongress. Ein Zusammentreffen großer Verschiedenheiten in vorsichtiger Auseinandersetzung. Man konnte staunen: So breit ist Musiktherapie in der Welt vertreten. Das Thema der Interkulturalität war ständig präsent. Und keineswegs allen war die englische Sprache wirklich ein universelles Verständigungsmittel.

Gab es Musik? Und ob! Beate Roelcke schreibt: „Besonders beeindruckt war ich von einer ‚Wadaiko Trommel Performance’, die in der Mittagspause in der Haupthalle stattfand. Eine ca. 15-köpfige Gruppe, Jugendliche und Erwachsene, darunter Menschen mit kognitiven Einschränkungen und Down-Syndrom spielte auf unterschiedlich großen japanischen Trommeln. Ihre Bewegungen erinnerten an Tai-Chi-Abläufe, sie waren genau choreografiert und exakt koordiniert und mündeten in ein dynamisches Anschlagen der Trommeln. Verschiedene Interaktionen fanden zwischen den Spielenden statt – Zuspielen, Nachspielen, Kommunikation war zu beobachten – die Ausdruckskraft führte vom Pianissimo zum Fortissimo, auf den Höhepunkten kamen Schreie dazu und die dynamischen Rhythmen verbunden mit dem Klang der Trommeln zogen alle Zuhörenden in ihren Bann. Begeisterung, Freude und Stolz sprachen aus den schweißnassen Gesichtern als die Performance zu Ende war und die Spielenden den Applaus entgegennahmen.“

Noch ein japanischer Wortklang zum Schluss. Probieren Sie das mal selbst aus, rasch gesungen mit der Betonung auf der letzten Silbe, wo die Melodie mit dem „ma“ eine Terz absinkt und lang ausklingt: Arigatoh gozai’maaass. Vielen Dank! Mit Verbeugungen.

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