Die „ERMS-Studie“ ist ein laufendes Promotionsprojekt an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) in Zusammenarbeit mit dem Wiener Zentrum für Musiktherapie-Forschung (WZMF), den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) und der Universität Basel. Innerhalb der Studie wird die Möglichkeit untersucht, den „Effekt rezeptiver Musiktherapie mit Behandlungsmonochord auf Stress“ mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) abzubilden und in eine randomisiert, plazebokontrollierte Doppelblindstudie mit gesunden Probanden aus dem Bereich der klinischen Gesundheitsberufe zu überführen.

Das Projekt nimmt seinen Ursprung in der Beobachtung klinischer Therapieverläufe und dem gehäuft auftretenden Phänomen, dass Klienten mit akuten Symptomen klinisch relevanter Störungsbilder, wie z.B. rezidivierenden Depressionen, Arbeitsstresserkrankungen, PTBS oder auch Persönlichkeitsstörungen, oft nicht in der Lage sind, therapeutische Prozesse kognitiv zu verarbeiten. Ausschlaggebend hierfür ist, dass sich in der akuten Phase Spannungs- bzw. „Arousalzustände“ negativ auf die Leistungsfähigkeit neuronaler Netzwerke, hier die „höheren kognitiven Funktionen“, auswirken. Somit stellt „Stress“ nicht nur einen Risikofaktor für das Auftreten psychischer Erkrankungen dar, sondern nimmt darüber hinaus negativen Einfluss auf den Genesungsprozess.

Dass die rezeptive bzw. vibroakustische musiktherapeutische Behandlung mit dem Monochord Einfluss auf das Stresserleben nimmt, zeigen bereits vielfältige Therapieberichte, Fallstudien und Forschungsprojekte auf (vgl. z.B. das von der Kind Stiftung unterstützte Promotionsprojekt von Anja Schäfer). Ein prinzipielles Dilemma der Musiktherapieforschung bleibt aber bestehen: Die Heterogenität der Schulen und Behandlungskonzeptionen, die Unterschiede der Einbindung in klinische Kontexte sowie der oft beschränkte Zugang zu Forschungsmöglichkeiten stehen beispielhaft für Faktoren, die die Gewinnung generalisierbarer Forschungsergebnisse, wie sie für eine Anerkennung der Musiktherapie innerhalb der „Evidenzbasierten Medizin“ notwendig wären, behindern. So wurde vorliegendes Projekt im Sinne einer Grundlagenforschung konzipiert: durch reduzierte Untersuchungsvariablen und die Einhaltung der Kriterien evidenzbasierter medizinischer Forschung soll die Wiederholbarkeit – und damit die Kumulation generierter Untersuchungsergebnisse – gefördert werden.

Die Andreas Tobias Kind Stiftung unterstützt dieses Projekt mit der Finanzierung der Entwicklung und des Baus eines „scanner-gängigen“ Behandlungsmonochords – meinen herzlichsten Dank dafür an dieser Stelle. Hierfür wurde in Zusammenarbeit mit der Klangwerkstatt Bernhard Deutz, auf Grundlage der von ihm entwickelten Körpertambura, ein Körpermonochord erstellt, welches ausschließlich mit nichtmagnetischen bzw. nur minimal restmagnetischen Materialien ausgestattet ist, und über einen integrierten Anschluss für den zum Scanner gehörigen Luftschlauchkopfhörer verfügt.

Da die verfügbaren theoretischen Grundlagen bis zu diesem Punkt bereits ausgeschöpft wurden, erfolgt nun in einem nächsten Schritt die initiale Erprobung des Instruments im Scanner, um das Resonanz-, Schwingungs- und Klangverhalten im Magnetfeld zu testen und das Instrument inklusive Zubehör entsprechend der Erkenntnisse weiter zu adaptieren. Weitere Informationen zum Projektverlauf folgen zu gegebener Zeit.