Ob Fahrradfahren lernen, mit Gleichgesinnten in Kontakt treten, die Natur erkunden, ein Musikinstrument spielen, ins Fußballstadion oder in die Oper gehen … – das Projekt „Persönliche Zukunftsplanung“ unterstützt Menschen mit teils schwersten Behinderungen darin, ihre Zukunft und insbesondere ihre Freizeit aktiv und selbstbestimmt zu gestalten. Begleitet durch Inklusionspaten und einen selbst ernannten Unterstützerkreis wird den Teilnehmenden Raum gegeben, eigene Bedürfnisse und Interessen in Bezug auf ihren Alltag zu entdecken und auszudrücken: Wie möchte ich meine Freizeit gestalten? Wie möchte ich mich außerhalb von Wohnen und Arbeiten verwirklichen? In der zweiten Projekthälfte werden die erarbeiteten Wünsche und Vorstellungen gemeinsam in die Tat umgesetzt.

Die konkrete Zielgruppe sind sechs bis acht Menschen mit Behinderung, die in einem ambulanten Wohnprojekt im Sozialraum Wulfsdorf bei Ahrensburg (Schleswig-Holstein) wohnen und in den Werkstätten der Hermann Jülich Werkgemeinschaft e.V. beschäftigt sind. Über die individuelle Freizeitgestaltung hinaus soll sich das Projekt positiv auf die Freizeitangebote des gesamten Sozialraums auswirken, z. B. durch die Gründung einer Fahrradschule, eines Chors, einer Trommelgruppe etc. Um das Ziel einer selbstbestimmten Zukunftsplanung für Menschen mit Behinderungen auch nachhaltig umzusetzen, werden die Auswirkungen des Projektes auf die Selbstwirksamkeit und Lebenszufriedenheit der Teilnehmenden empirisch erfasst und dokumentiert. So kann bei der Planung von Hilfesystemen zukünftig besser auf die Wünsche und Bedürfnisse auch schwerstbehinderter Menschen eingegangen werden. Wenn sich das Projekt als gut unterstützend erweist, könnte es zukünftig als Teil des Hilfeplanverfahrens wirken und gemeinsam mit den örtlichen Sozialhilfeträgern umgesetzt werden.

Das Projekt ist eine Kooperation der Andreas Tobias Kind Stiftung mit der Hermann Jülich Werkgemeinschaft e.V., einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft für seelenpflegebedürftige Erwachsene an drei Standorten in Schleswig-Holstein. Wissenschaftlich begleitet wird das Forschungsprojekt durch Prof. Dr. Christiane Drechsler (Alanus Hochschule Mannheim, Institut für Waldorfpädagogik, Inklusion und Interkulturalität) und Prof. Dr. Thomas Ostermann (Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Forschungsmethodik und Statistik in der Psychologie).

Aktuelles: Zukunftsplanerinnen und Zukunftsplaner feiern Bergfest!

Gemeinsam ein buntes Bild weben, innerhalb dessen jeder ganz eigene Ideen spinnen und sich darüberhinaus mit anderen Menschen verknüpfen kann – mit diesem sinnbildlichen Kunstprojekt „Inklusionsrahmen“ startete das Bergfest des Projekts „Persönliche Zukunftsplanung für Menschen mit Behinderung“ am 24. Juni 2016. Ca. 50 Gäste kamen im Robben Café in Wulfsdorf bei Ahrensburg zusammen, um das Inklusionsforschungsprojekt gebührend zu feiern.

Auf dem Fest wurde in sommerlicher Atmosphäre gemeinsam gewebt, gesungen, gegessen und geklönt. Und es gibt jede Menge zu berichten: Mittlerweile haben die Planenden und ihre Paten bereits erfolgreich Unterstützerkreise gebildet mit Menschen, die sie in der Umsetzung ihrer Ideen und Vorstellungen unterstützen. Viele kleine und große Pläne wurden geschmiedet und zum Teil bereits in die Tat umgesetzt. Der Zukunftsplaner Malte hat z.B. eine große Begeisterung für Fahrzeuge. Gemeinsam mit seinem Paten war er auf dem Hamburger Dom und ist dort Autoscooter gefahren. Maltes großer Traum ist es, auf einem Hof in seiner Nachbarschaft Traktor fahren zu lernen. Mithilfe seines Patens könnte dieser Wunsch vielleicht schon bald Wirklichkeit werden.