Ein Bericht von Claudia Knoll, Studiengangleiterin der ersten Ausbildungsstätte für Musiktherapie in Slowenien.

Alle drei Jahre lädt die European Music Therapo Confederation (EMTC) zum Europäischen Kongress ein. Zu unserem großen Glück fand er diesmal in unserem Nachbarland Österreich statt. Diese Tatsache, verbunden mit der Unterstützung der Andreas Tobias Kind Stiftung, machte es uns möglich, in großer Zahl anzureisen: beide Studiengangleiterinnen und alle sieben Musiktherapie-Studierenden Sloweniens! Es war eine wunderbare Gelegenheit für uns, nicht nur den verschiedensten Fachvorträgen zu lauschen, an Workshops und Runden Tischen teilzunehmen, sondern auch für den Austausch mit Kollegen. Und vor allem dafür, die große bunte Gemeinschaft von Musiktherapeuten zu erleben, wo wir doch in Slowenien bislang eher in einer Art „professioneller Isolation“ leben. Für unsere Studentinnen war es die erste Erfahrung musiktherapeutischer Gemeinschaft: ein einprägsames Erlebnis für jede von ihnen!

„A Symphony of Dialogues“ – das Thema der Konferenz war mehr als passend. Die bunte Programm mit Fachvorträgen, Workshops, Runden Tischen, „Dialoge sessions“, Poster-Präsentationen, Kinofilmen zu musiktherapeutischen Themen und anregenden Abendveranstaltungen lud tatsächlich zu den verschiedensten Dialogen ein. Und die Dialogpartner waren nahezu 600 Teilnehmer aus 46 Ländern von allen fünf Kontinenten! Das Wiener Organisationsteam, allen voran Elena Fizthum, Monika Geretsegger und Thomas Stegemann, hat unglaubliche Arbeit geleistet. Die Vorbereitungen auf dieses große Ereignis begannen bereits vor fünf Jahren und es war wirklich alles von A bis Z durchdacht und wohlorganisiert – professionell, mit viel Herz und Humor.

Auch wir haben uns aktiv miteingebracht. In Form einer Poster-Präsentation mit Kurzvortrag durften wir unsere musiktherapeutische Pionierarbeit hier in Slowenien und die Musiktherapie-Ausbildung am Institut Knoll für Musiktherapie und Supervision vorstellen. Nicht ohne uns dabei auch für die großherzige Unterstützung durch die Andreas Tobias Kind Stiftung zu bedanken. Außerdem konnte ich einen Fachvortrag zum Thema meiner Masterarbeit „Musikalische Improvisation in der Supervision“ halten, was mir nicht nur einen sehr zufriedenstellenden Abschluss meines Supervisionsstudiums ermöglichte, sondern den internationalen Dialog zum Thema mit KollegInnen aus Dänemark, Deutschland, England, Israel, der Schweiz und Tschechien eröffnete – mit dem Wunsch nach Netzwerkarbeit.

Unsere Studentinnen kamen für die Zeit des Kongresses im Rahmen des „Couchsurfing“-Angebotes bei Wiener Musiktherapie-Studierenden unter, was den Dialog unter den Studierenden noch auf ganz besondere Weise möglich machte. Unsere Studierenden waren begeistert von der Fülle und dem wissenschaftlichen Anspruch der Angebote als auch von der „musiktherapeutischen Atmosphäre“, in die der gesamte Kongress eingewoben war. Eine unserer Studentinnen schrieb auf die Frage, was in ihr nachklingt, folgendes:

„Der diesjährige Musiktherapie-Kongress mit seinem breiten Angebot an wissenschaftlichen Beiträgen und Workshops hat all meine Erwartungen übertroffen. Ich war begeistert von der Planung und Organisation dieser Veranstaltung, genau wie von den zahlreichen herausragenden Referenten. Manche der Workshops waren so beliebt, dass leider nicht alle Interessierten teilnehmen konnten. Natürlich gab es auch einige ganz spezifische Angebote, die sich nicht am Ansturm von Besuchern messen lassen, die ich persönlich aber als besonders eindrucksvoll und erfüllend erlebt habe. Alle Achtung den Organisatoren auch für die morgendlichen „Warm-up’s“, die uns alle mit viel Kraft, Begeisterung und Ruhe in die Tage starten ließen. Ich freue mich sehr, dass meinen Kommilitoninnen und mir die Teilnahme am Kongress im Rahmen unserer Ausbildung ermöglicht wurde. Wir belegten teils ganz unterschiedliche Veranstaltungen und ich bin schon gespannt darauf, im Herbst unsere Erfahrungen miteinander zu teilen.“ (Majda Fras Leva)

Für mich persönlich begann die Woche in Wien schon zwei Tage vor Kongressbeginn mit dem General Assembly der Europäischen Musiktherapie Konfederation (EMTC). Seit diesem Jahr bin ich Landesvertreterin für Slowenien im EMTC und so hatte ich die großartige Möglichkeit, gemeinsam mit fast dreißig weiteren Landesvertretern zwei Tage lang um einen Tisch zu sitzen, mich zu relevanten Themen auszutauschen und an bestimmten Zielsetzungen des EMTC mitzuarbeiten. Eines dieser Ziele ist der Vergleich der Ausbildungsstandards in den verschiedenen Ländern und die Erarbeitung internationaler Standards für den Beruf des Musiktherapeuten. Die Berufsanerkennungsprozesse sind in den verschiedenen Europäischen Ländern ganz unterschiedlich entwickelt. Von absoluter Pionierarbeit hier in Slowenien und einigen anderen Ländern bis hin zu berufsrechtlichen Gesetzen, die den Beruf der Musiktherapeuten schützen und regeln wie in England und Österreich. Die Mitarbeit in einem solchen Gremium und alle wertvollen Informationen der Kollegen aus anderen Ländern bereichern unsere Pionierarbeit hier sehr, machen Wege klarer und bestimmte Schritte überhaupt erst möglich.

Zum Schluss noch ein Ausblick: Der nächste Europäische Musiktherapiekongress findet in drei Jahren in Aalborg, Dänemark, statt.
Und ein Jubiläum: Die EMTC wurde vor 25 Jahren, am 15. November 1991, gegründet. Seit 2014 Jahren begehen wir an diesem Tag den Europäischen Musiktherapie-Tag, der in jedem Jahr ein eigenes Motto und ein eigenes Lied hat, welches die teilnehmenden Länder in Landessprache übersetzen und auf vielfältige Weise feiern. Das diesjährige Motto lautet: „Sounds of change“ – „Klänge der Veränderung“. Mehr Informationen dazu unter www.musictherapyday.com.
Mit unseren Studierenden haben wir bereits im vergangenen Jahr daran teilgenommen und den Titelsong „Let’s play“ ins Slowenische und Kroatische übersetzt: https://www.youtube.com/watch?v=UgIhw7qUL1w. Vielleicht gibt es ja in diesem Jahr auch mal eine deutsche Version?

Ich verbleibe mit herzlichen Grüßen und ehrlicher Dankbarkeit der Andreas Tobias Kind Stiftung und all ihren Unterstützern gegenüber! 

Claudia Knoll