Bereits im Rahmen ihrer Masterthesis untersuchte Anja Schäfer in einer klinischen Pilotstudie mithilfe rezeptiver Musiktherapie die Entspannungsfähigkeit bei depressiven Patient.innen. Die Ergebnisse zeigten sich als äußerst positiv, sodass sich Frau Schäfer dieser Thematik nun im Rahmen ihrer Dissertation „Psychophysiologische Studie zur Erhebung der Herzratenvariabilität und Achtsamkeitserfassung in der rezeptiven Musiktherapie mit depressiven Patient.innen“ widmet. Im Folgenden berichtet unsere neue Geförderte über zentrale Fragestellungen, Studiendesign und erste Ergebnisse ihrer Arbeit. 

Ich entschied mich für die Erhebung der Herzratenvariabilität (HRV) und Achtsamkeitserfassung während der rezeptiven Musiktherapie mit Monochord und Stimme bei depressiven Patient.innen. Die Achtsamkeitstheorie nach Jon Kabat Zinn und die Atemsensibilisierung nach Ilse Middendorf sind wichtige methodische Aspekte in diesem rezeptiven Musiktherapiekonzept.
Zentrale Fragestellungen der Arbeit sind:

  1. Wie verändert sich der vegetative Tonus durch die rezeptive Musiktherapie?
    a) Ist mit einer Zunahme parasympathischer Aktivität und einer Abnahme sympathischer Aktivität zu rechnen?
    b) Gibt es verstärkende Auswirkungen auf die Koordination zwischen den Körperrhythmen wie Herzschlag und Atmung?
  2. Verändert sich das Schlafverhalten im unmittelbaren Anschluss an die rezeptive Musiktherapieeinheit?
  3. Welche psychischen Veränderungen in Bezug auf die Aufmerksamkeitslenkung (Achtsamkeitssensibilisierung) sind dabei zu beobachten?
  4. Kann ein Zusammenhang mittels HRV, den depressiven Symptomen und der Achtsamkeitssensibilisierung hergestellt werden?

Es handelt sich in dieser Studie um eine randomisierte Interventionsstudie mit Kontrollgruppenvergleich (N=40). Zur Durchführung des Vorhabens werden die Teilnehmer.innen per Zufall entweder der Treatment-, oder der Kontrollgruppe zugeordnet. Zur Teilnahme an der Studie werden Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 45 Jahren mit rezidivierender depressiver Episode oder mittelgradig bis schwerer Episode ohne psychotische Symptome eingeschlossen. Die PatientInnen dürfen keine trizyklischen Antidepressiva sowie psychotrope Substanzen einnehmen.

Als Messinventar werden Chronocord® Joysys Instrumente und die beiden Fragebögen BDI II (Fragebogen zur Erfassung des Schweregrades einer Depressiven Störung) und der FFA (Freiburger Fragebogen für Achtsamkeit/Kurzversion von Buchheld und Wallach, 2002) eingesetzt.
Alle Patient.innen werden, unabhängig von der Gruppenzuordnung, zu drei gleichen Messzeitpunkten hinsichtlich der beschriebenen Parameter untersucht. Die Patient.innen der Treatmentgruppe (n=20) erhalten insgesamt fünf rezeptive Musiktherapieeinheiten innerhalb ihres dreiwöchigen Klinikaufenthaltes. Während der ersten und der letzten Musiktherapieeinheit findet eine HRV- Messung inkl. Messtagebuch für 24 Stunden statt. Die Teilnehmer.innen in der Kontrollgruppe folgen ihrem Standarttherapieplan, jedoch ohne Musiktherapie. Das Follow-up findet mit einer letzten (4.) HRV-Messung inkl. Messtagebuch, der Fragebogenerhebung und einer Aufklärung der ausgewerteten Ergebnisse sechs Wochen nach dem Klinikaufenthalt statt.

Als vorläufige Studienergebnisse können bisher signifikante Effekte der parasympathischen Aktivität und die Verbesserung der Entspannungsfähigkeit in der rezeptiven Gruppe eruiert werden. Eine deutliche Verbesserung der depressiven Symptomatik sowie eine geringe Verbesserung der Achtsamkeitssensibilisierung konnte bereits im Follow-up in beiden Gruppen festgestellt werden.

Prof. Dr. Eckard Weymann, Hamburg und Prof. Dr. Maximilian Moser, Graz sind Gutachter des Projektes. Die Studie wird an der Klinik der Barmherzigen Brüder, Graz, in der Abteilung Musiktherapie durchgeführt.