© Dagmar Servas

Als Reaktion auf unseren Aufruf im Herbst haben wir zahlreiche Zuschriften zu musiktherapeutischer und künstlerischer Arbeit mit Flüchtlingen erhalten. Das vielseitige Engagement ist bewegend und gibt – inmitten des Chaos, der Not und Verzweiflung – Grund zur Hoffnung. Im Folgenden weisen wir auf Projekte in Zentralen Erstaufnahmen (ZEA) hin.

Auf besonders viel Engagement von verschiedenen Seiten sind wir in Bezug auf die ZEA Schnackenburgallee gestoßen, einem isoliert liegenden Containerdorf in Hamburgs Westen. Die Hamburger Medical Schoolhat hier vor anderthalb Jahren ein Kunstzelt errichtet, das als offenes Atelier geführt wird: Zweimal pro Woche sind Flüchtlinge jeden Alters eingeladen, sich unter Anleitung von den Künstlerinnen Dagmar Servas und Barbara Schäfer sowie Studierenden der Hochschule künstlerisch zu betätigen (mehr Infos im Interview mit Prof. Dr. Jan Sonntag).

Für die sechs- bis achtjährigen Kinder bietet die Diplom-Musikpädagogin Petra Schmidt den Kurs TrommelPower an. Die selbsterklärenden Rhythmen und Spiele können die Kinder problemlos ohne Sprachkenntnisse verstehen. Ziel des Kurses ist neben der Freude am gemeinsamen Erleben die Stabilisierung der Kinder und die Aktivierung ihrer Ressourcen.

Der Verein Musiktherapie Initiative e.V. bietet zusätzlich Workshops an, in denen einfache Instrumente gebaut werden können, wie bspw. kleine Rasseln mit aufgefädelten Kronenkorken. Schon bald möchte der Verein zudem ein Hilfsprojekt für junge Männer initiieren.

In der ZEA Schwarzenbergin Hamburg Harburg setzt sich die Musiktherapeutin Doris Sondermann ehrenamtlich für Flüchtlingskinder ein und bereichert ihren Alltag mit Bewegungsliedern und rhythmischen Spielen. Sie treffen sich im Spielzelt. „Auf dem Weg dorthin sammle ich schon einige Kinder ein. Sie kennen mich inzwischen und singen laut das gemeinsam gelernte Begrüßungslied“, erzählt Frau Sondermann. Für das weitere Arbeiten mit den Kindern wäre unter anderem ein Set kleiner Trommeln hilf- und wirkungsreich. Wer Frau Sondermann helfen kann, wende sich bitte per Email an d.sondermann@asklepios.com.

Hanmari Spiegel unterrichtete in diesem Schuljahr Musik für die Flüchtlingskinder der ZEA Dratelnstraße, die von der Elbinselschule in Hamburg Wilhelmsburg betreut werden. In den Schulpausen kamen auch die jungen Männer der ZEA in den Klassencontainer, spielten auf den Instrumenten und tanzten dazu, berichtet Frau Spiegel. Ab Herbst findet ein dreimonatiges Kooperationsprojekt des Thalia Theaters und der Hamburger Symphoniker statt: „Do it! Klang Spiel Raum“ermöglicht Kindern aus der ZEA, den internationalen Vorbereitungsklassen und den Regelklassen der Elbinselschule die gemeinsame Teilnahme an einem Musiktheaterstück.

Kirsten Krägelin organisierte im Rahmen ihrer Masterarbeit im Frühjahr diesen Jahres eine musiktherapeutische Gruppe für Flüchtlingskinder von fünf bis acht Jahren in der Flüchtlingsaufnahmebehörde Osnabrück. Gemeinsam wurde gesungen, getanzt, gespielt, improvisiert und dabei viel gelacht.